Kommentar zum Beitrag in Spiegel Online – „Mit Hauptschulabschluss nimmt dich keiner“

Am 29.1.2017 entdecke ich einen Beitrag in Spiegel Online, der beispielhaft den Kreislauf rund um die Diskussion über die Zugänge zu dualer Berufsausbildung deutlich macht. Neben einer reißerischen Überschrift wirbt der Beitrag indirekt für Unterstützungsmaßnahmen zur Aufnahme einer Ausbildung. Daher stelle ich den Beitrag hier vor. Hier der Link zum Beitrag von Spiegel Online.

Kommentar: – Kern des Beitrags ist die Klage über den Facharbeitermangel und dass Unverständnis darüber, dass trotzdem so viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. „Trotzdem hält sich die Zahl der erfolglosen Anwärter auf eine Lehrstelle seit Jahren auf ähnlichem Niveau. Von den 80.000 Jugendlichen, die 2016 nur Absagen bekommen haben, entschieden sich 60.000 für eine Alternative und gingen zum Beispiel weiter zur Schule. Etwa 20.000 standen ohne alles da.“ schreibt die Autorin Kristin Kruthaup in dem Artikel. Sie erwähnt auch die Dunkelziffer, da alle Angaben nur auf freiwilligen Meldungen der Betriebe oder der Jugendlichen basieren. Eine qualitative Bewertung erfolgt nicht (zum Beispiel – War die Schule die Alternative oder versuchte die Schule die Ausbildung als Alternative darzustellen? -die Studien und Befragungen aus dem Übergangsgeschehen lassen darauf schließen, da die meisten studieren möchten).

In dem Beitrag werden zwei Jugendliche interviewt, die auf Ausbildungsplatzsuche sind/waren und keinen erhalten haben. „Es steht zwar überall, dass man sich auch mit einem Hauptschulabschluss bewerben kann. Doch das ist Schwachsinn“ – sagt einer der beiden, Eric S. der 26 Jahre alt ist. Weiterlesen ›

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Unser Bildungssystem als Karikatur

„Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch nach seiner Fähigkeit beurteilst, einen Baum hochzusteigen, wird er sein ganzes Leben lang glauben, er sei dumm“. – Albert Einstein

Die Karikatur wurde von Hans Traxler im Jahre 1976 veröffentlicht und setzt sich mit der Chancenungleichheit im Bildungssystem innerhalb Deutschlands auseinander. Das Bild macht ohne viel Worte deutlich, das Gleichheit nicht mit Gleichbehandlung erreichbar ist. Eine sehr eindrucksvolle Darstellung. In den siebziger Jahren war das eine der am meisten verbreiteten Karikaturen.

(vgl. Hans Traxler, Chancengleichheit, in: Michael Klant , [Hrsg.] , Schul-Spott : Karikaturen aus 2500 Jahren Pädagogik ,Fackelträger, Hannover 1983, S. 25) Weiterlesen ›

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10 Punkte, die jeder über die duale Berufsausbildung wissen sollte!

TopTen Duale

In meinem Alltag stoße ich immer wieder auf überraschte Gesichter, wenn ich diese Punkte über duale Berufsausbildung erzähle. Unerheblich, ob ich mit Jugendlichen, mit Lehrern, Betriebsinhabern oder auch Hochschullehrern spreche – in vielen Fällen staunt man ungläubig. Der Beitrag bewertet nicht die Sinnhaftigkeit der einzelnen Punkte, Viel Spaß beim Lesen.

1 – Ein Ausbildungsvertrag zwischen einem Betrieb und einem Auszubildenden ist ein reiner Privatvertrag (seit 1810). Bis auf gesetzliche Vertreter (z.B. bei Minderjährigen, Vormundschaft) besteht kein Recht zur Einflussnahme durch andere Personen oder Institutionen.

2 – Es ist nicht notwendig, einen Schulabschluss für die Aufnahme einer Berufsausbildung vorzuweisen. Dieser wird nicht vorausgesetzt. Die „Anforderungen“ an die Berufe sind inhaltlicher Art und werden durch Betriebe und mit der Berufsbildung beauftragte Institutionen (z.B. Kammern, BiBB) formuliert.

3 – Die Dualität der Berufsausbildung bezieht sich auf die Aufteilung der Lerninhalte in der dualen Berufsausbildung. Für die betrieblichen Lehrpläne steht der Bund, für die schulischen Lehrpläne stehen die Bundesländer. Das duale Berufsausbildungssystem entwickelte sich in der Mitte der 1920er Jahre.

4 – Eine duale Berufsausbildung findet in der Regel an mehr als zwei Lernorten statt (z.B. Betrieb, überbetriebliche Lehrwerkstätten der Kammern, Berufsschule, Träger beruflicher Weiterbildung). Weiterlesen ›

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Bewusstsein und Motivation für Weiterbildung

learn-808753_1280Neben der Weiterbildungsbeteiligung finden sich hier auch Hinweise auf Bewusstsein, Motivation und auch Ablehnung in der Kausa „Weiterbildung“. Möglicherweise kann individuelle Bildungsberatung hier dämpfend und Bewusstseinsfördernd wirken. Zwar entstanden die Grafiken auf Datenlage des Jahres 2004, jedoch weisen die letzten Erhebungen zur Weiterbildungsbeteiligung darauf hin, dass sich hier keine große Veränderung ergeben hat. Baethge und Baethge-Kinsky haben 2004 in Ihrer Publikation „Der ungleiche Kampf des lebenslangen Lernens“ aus über 4000 Interviews (repräsentativer Durchschnitt der deutschen Wohnbevölkerung) folgende Weiterbildungsbeteiligung nach Berufsabschlüssen erhoben. Weiterlesen ›

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Wie sieht es mit der Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland aus?

note-64057_1280Vorweg: Weiterbildung ist auch ein zentrales Thema für „Unterwegs in die Arbeitswelt“, denn 1,5 Millionen junge Erwachsene im Alter von 20 bis 29 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Ebenfalls ist der direkte Übergang von der Schule in die Erwerbstätigkeit zu berücksichtigen. In beiden Fällen ist Weiterbildung ein zwingender Weg, Kompetenzen zu erlangen, zu erweitern und vor allem zu formalisieren.

In Abständen von einigen Jahren wird immer wieder die Weiterbildungsbeteiligung genauer unter die Lupe genommen. So auch in diesem Jahr. Es sieht so aus, als lassen sich keine genauen Aussagen treffen. Die Spannbreite je nach Quelle ist unterschiedlich. Ebenso werden keine Unterschiede betreffend der qualitativen Bewertung von Weiterbildungsmaßnahmen sowie einer Verwertbarkeit der Weiterbildung berücksichtigt.

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5000 Jahre Kritik an Jugendlichen – Eine sichere Konstante in Gesellschaft und Arbeitswelt

a45f118f7e8a1c354d652bd19576a24bWas? 5000 Jahre? Niemand ist 5000 Jahre ähnlicher Ansicht über eine Thematik. Das fragte ich mich, als ich mich in letzter Zeit mit der Geschichte der Berufswahl und den vielseitigen Klagen über den Nachwuchs auseinandergesetzt habe. Dabei bin ich bei der Recherche in einen Zeitraum gekommen, der praktisch die ersten Mangelerscheinungen bei der Jugend auf Tontafeln dokumentierte.

Die Sammlung der folgenden Zitate weist nach, dass die „Vorgänger“ immer schon die „Nachfolger“ in einer Pauschalität abgewertet haben, wie es auch heute der Fall ist. Und obwohl es keine wissenschaftlichen Nachweise über reduzierte Intelligenz, Kompetenzverluste im Allgemeinen oder moralischen Verfall von Jugendlichen gibt, werden die Stimmen und Klagen über die „Jugendlichen von heute“ immer lauter. So möchte ich gerne ein Zitat hier mal vorweg nehmen, welches einen schönen Gegenpol auf jedes darauf folgende Zitat bildet:

„Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.“ (Kurt Tucholski, Der Mensch, Lerne Lachen ohne zu Weinen, 1931)

Beginnen wir nun mit den ältesten Klagen über die Jugendlichen. Die Jammerei über die schlechten Jugendlichen lässt sich bis in die Zeit der Sumerer zurück verfolgen. Damals, vor über 5000 Jahren entstanden die ersten Schulen und aus dieser Zeit stammt das erste Zitat…

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Die Anforderungen an einen Beruf – woher resultieren die und warum nicht alle von der gleichen „Sache“ reden 

BerufeGleich vorweg – es ist fast unmöglich für mich in einem Blogbeitrag alle Elemente der Berufsordnung zu beschreiben. Daher möchte ich mich auf einen Kern konzentrieren, der häufig in der Berufsorientierung von Jugendlichen zum Tragen kommt: Es geht um die Anforderungen an einen Beruf.

In aller Regel steht bei den Jugendlichen die Frage im Raum, welcher Beruf es sein soll. Was passt zu mir, bin ich geeignet für den Beruf und erfülle ich die Anforderungen. Leider wird die Frage, woher die Anforderungen resultieren und wer diese warum so festlegt nur selten gestellt. Die Frage, ob man denn mit seinen Kompetenzen dennoch die Arbeit in dem Beruf ausüben kann noch viel seltener. Ich persönlich gehe davon aus, dass sie von Jugendlichen faktisch nicht gestellt wird. Und dort wo sie gestellt wird, kann man durchaus ein „so ist das nun einmal, man kann sich nicht alles aussuchen“ erwarten. Eine klassische Fokussierung auf die Bewegung in den gegebenen Rahmenbedingungen ist die Regel.

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Donovan Livingston, M. Ed., Havard – Studentenabschlussrede – Ein Statement für die Bildung der Menschen „Lift Off“

Hier kann man sehen, was ein einzelner Student auslösen kann. Weltweit erregt das Video Aufmerksamkeit. In seiner Abschlussrede am Ende seines Studiums als Master in Erziehungswissenschaften spricht er über die Ungleichheit der Menschen. „Noch vor allen anderen Möglichkeiten ist Bildung die größte ausgleichende Kraft gegen die Ungleichheit der Menschen“ zitiert er Horace Mann. Er bezieht sich auf das Höhlengleichnis von Platon (welches den Sinn und die Notwendigkeit des Bildungswegs der Menschen als Befreiungsprozess darstellt) wenn er sagt:

„Als Lehrer braucht es mehr als das Gerassel unserer Ketten mit eurer Stimme zu übertönen. Nehmt sie uns ab. Entfesselt uns. Nehmt uns die schwere Last von Armut, Privileg, Politik und Ignoranz“

Im Original: „As educators, rather than raising your voices over the rustling of our chains,
Take them off. Un-cuff us. Unencumbered by the lumbering weight of poverty and privilege, policy and ignorance“.

Seine Rede bewertet nicht, lässt keinen in der Gesellschaft das Gesicht verlieren – einfach unglaublich auch die Art, in welcher der junge Mann vorträgt. Ich finde das sehr beeindruckend und bewegend!

Der gesamte Originaltext der Rede ist hier veröffentlicht.

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