10 Punkte, die jeder über die duale Berufsausbildung wissen sollte!

TopTen Duale

In meinem Alltag stoße ich immer wieder auf überraschte Gesichter, wenn ich diese Punkte über duale Berufsausbildung erzähle. Unerheblich, ob ich mit Jugendlichen, mit Lehrern, Betriebsinhabern oder auch Hochschullehrern spreche – in vielen Fällen staunt man ungläubig. Der Beitrag bewertet nicht die Sinnhaftigkeit der einzelnen Punkte, Viel Spaß beim Lesen.

1 – Ein Ausbildungsvertrag zwischen einem Betrieb und einem Auszubildenden ist ein reiner Privatvertrag (seit 1810). Bis auf gesetzliche Vertreter (z.B. bei Minderjährigen, Vormundschaft) besteht kein Recht zur Einflussnahme durch andere Personen oder Institutionen.

2 – Es ist nicht notwendig, einen Schulabschluss für die Aufnahme einer Berufsausbildung vorzuweisen. Dieser wird nicht vorausgesetzt. Die „Anforderungen“ an die Berufe sind inhaltlicher Art und werden durch Betriebe und mit der Berufsbildung beauftragte Institutionen (z.B. Kammern, BiBB) formuliert.

3 – Die Dualität der Berufsausbildung bezieht sich auf die Aufteilung der Lerninhalte in der dualen Berufsausbildung. Für die betrieblichen Lehrpläne steht der Bund, für die schulischen Lehrpläne stehen die Bundesländer. Das duale Berufsausbildungssystem entwickelte sich in der Mitte der 1920er Jahre.

4 – Eine duale Berufsausbildung findet in der Regel an mehr als zwei Lernorten statt (z.B. Betrieb, überbetriebliche Lehrwerkstätten der Kammern, Berufsschule, Träger beruflicher Weiterbildung). Weiterlesen ›

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Bewusstsein und Motivation für Weiterbildung

learn-808753_1280Neben der Weiterbildungsbeteiligung finden sich hier auch Hinweise auf Bewusstsein, Motivation und auch Ablehnung in der Kausa „Weiterbildung“. Möglicherweise kann individuelle Bildungsberatung hier dämpfend und Bewusstseinsfördernd wirken. Zwar entstanden die Grafiken auf Datenlage des Jahres 2004, jedoch weisen die letzten Erhebungen zur Weiterbildungsbeteiligung darauf hin, dass sich hier keine große Veränderung ergeben hat. Baethge und Baethge-Kinsky haben 2004 in Ihrer Publikation „Der ungleiche Kampf des lebenslangen Lernens“ aus über 4000 Interviews (repräsentativer Durchschnitt der deutschen Wohnbevölkerung) folgende Weiterbildungsbeteiligung nach Berufsabschlüssen erhoben. Weiterlesen ›

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Wie sieht es mit der Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland aus?

note-64057_1280Vorweg: Weiterbildung ist auch ein zentrales Thema für „Unterwegs in die Arbeitswelt“, denn 1,5 Millionen junge Erwachsene im Alter von 20 bis 29 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Ebenfalls ist der direkte Übergang von der Schule in die Erwerbstätigkeit zu berücksichtigen. In beiden Fällen ist Weiterbildung ein zwingender Weg, Kompetenzen zu erlangen, zu erweitern und vor allem zu formalisieren.

In Abständen von einigen Jahren wird immer wieder die Weiterbildungsbeteiligung genauer unter die Lupe genommen. So auch in diesem Jahr. Es sieht so aus, als lassen sich keine genauen Aussagen treffen. Die Spannbreite je nach Quelle ist unterschiedlich. Ebenso werden keine Unterschiede betreffend der qualitativen Bewertung von Weiterbildungsmaßnahmen sowie einer Verwertbarkeit der Weiterbildung berücksichtigt.

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5000 Jahre Kritik an Jugendlichen – Eine sichere Konstante in Gesellschaft und Arbeitswelt

a45f118f7e8a1c354d652bd19576a24bWas? 5000 Jahre? Niemand ist 5000 Jahre ähnlicher Ansicht über eine Thematik. Das fragte ich mich, als ich mich in letzter Zeit mit der Geschichte der Berufswahl und den vielseitigen Klagen über den Nachwuchs auseinandergesetzt habe. Dabei bin ich bei der Recherche in einen Zeitraum gekommen, der praktisch die ersten Mangelerscheinungen bei der Jugend auf Tontafeln dokumentierte.

Die Sammlung der folgenden Zitate weist nach, dass die „Vorgänger“ immer schon die „Nachfolger“ in einer Pauschalität abgewertet haben, wie es auch heute der Fall ist. Und obwohl es keine wissenschaftlichen Nachweise über reduzierte Intelligenz, Kompetenzverluste im Allgemeinen oder moralischen Verfall von Jugendlichen gibt, werden die Stimmen und Klagen über die „Jugendlichen von heute“ immer lauter. So möchte ich gerne ein Zitat hier mal vorweg nehmen, welches einen schönen Gegenpol auf jedes darauf folgende Zitat bildet:

„Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.“ (Kurt Tucholski, Der Mensch, Lerne Lachen ohne zu Weinen, 1931)

Beginnen wir nun mit den ältesten Klagen über die Jugendlichen. Die Jammerei über die schlechten Jugendlichen lässt sich bis in die Zeit der Sumerer zurück verfolgen. Damals, vor über 5000 Jahren entstanden die ersten Schulen und aus dieser Zeit stammt das erste Zitat…

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Die Anforderungen an einen Beruf – woher resultieren die und warum nicht alle von der gleichen „Sache“ reden 

BerufeGleich vorweg – es ist fast unmöglich für mich in einem Blogbeitrag alle Elemente der Berufsordnung zu beschreiben. Daher möchte ich mich auf einen Kern konzentrieren, der häufig in der Berufsorientierung von Jugendlichen zum Tragen kommt: Es geht um die Anforderungen an einen Beruf.

In aller Regel steht bei den Jugendlichen die Frage im Raum, welcher Beruf es sein soll. Was passt zu mir, bin ich geeignet für den Beruf und erfülle ich die Anforderungen. Leider wird die Frage, woher die Anforderungen resultieren und wer diese warum so festlegt nur selten gestellt. Die Frage, ob man denn mit seinen Kompetenzen dennoch die Arbeit in dem Beruf ausüben kann noch viel seltener. Ich persönlich gehe davon aus, dass sie von Jugendlichen faktisch nicht gestellt wird. Und dort wo sie gestellt wird, kann man durchaus ein „so ist das nun einmal, man kann sich nicht alles aussuchen“ erwarten. Eine klassische Fokussierung auf die Bewegung in den gegebenen Rahmenbedingungen ist die Regel.

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Donovan Livingston, M. Ed., Havard – Studentenabschlussrede – Ein Statement für die Bildung der Menschen „Lift Off“

Hier kann man sehen, was ein einzelner Student auslösen kann. Weltweit erregt das Video Aufmerksamkeit. In seiner Abschlussrede am Ende seines Studiums als Master in Erziehungswissenschaften spricht er über die Ungleichheit der Menschen. „Noch vor allen anderen Möglichkeiten ist Bildung die größte ausgleichende Kraft gegen die Ungleichheit der Menschen“ zitiert er Horace Mann. Er bezieht sich auf das Höhlengleichnis von Platon (welches den Sinn und die Notwendigkeit des Bildungswegs der Menschen als Befreiungsprozess darstellt) wenn er sagt:

„Als Lehrer braucht es mehr als das Gerassel unserer Ketten mit eurer Stimme zu übertönen. Nehmt sie uns ab. Entfesselt uns. Nehmt uns die schwere Last von Armut, Privileg, Politik und Ignoranz“

Im Original: „As educators, rather than raising your voices over the rustling of our chains,
Take them off. Un-cuff us. Unencumbered by the lumbering weight of poverty and privilege, policy and ignorance“.

Seine Rede bewertet nicht, lässt keinen in der Gesellschaft das Gesicht verlieren – einfach unglaublich auch die Art, in welcher der junge Mann vorträgt. Ich finde das sehr beeindruckend und bewegend!

Der gesamte Originaltext der Rede ist hier veröffentlicht.

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Im Bann des Zertifizierungs-Fetischismus. Wie der Weiterbildungsmarkt seine Kunden um ihre Kompetenzen bringt.

von Dr. Christoph Schmitt (Zug, Schweiz)

Bild ZertifikatDer Weiterbildungsmarkt ist quasi-monopolistisch organisiert – durch das System der Zertifizierungen. Diese bestimmen sowohl darüber, was gelehrt wird, als auch darüber, wer lehren darf, als auch über die Abschlüsse, die die Klienten erwerben. Nicht aber darüber, was diese am Ende eines Kurses tatsächlich können. Und genau darum müsste es ja gehen. Wie kommt’s?

Zertifizierungen haben den Zweck, Zugänge zu regulieren. Auf einem mit Angeboten völlig überschwemmten Markt sind sie eine wunderbare Möglichkeit, sich als Anbieter über Wasser zu halten.  Letzten Endes dient Zertifizierung also vor allem dem Selbsterhalt des Systems.

Es ist wie bei beim Boxkampf. Am Vorabend des Turniers müssen alle auf die Waage. Nur wer innerhalb der Gewichtsgrenzen liegt, darf in den Ring, ist also „zertifiziert“. Was er dann im Ring bietet, entscheidet sich aber nicht auf der Waage. Deshalb: Zertifizierung kann nicht Qualität garantieren sondern nur  Zugänge regulieren. Weiterlesen ›

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Ist die Orientierung an Zertifikaten in der Arbeitswelt noch zeitgemäß?

ZertifikatbildIn einem Blogbeitrag von Gunvald Herdin und Monika Fischer gehen die Autoren auf die Frage ein, warum in Deutschland die Menschen im beruflichen Alltag immer noch zertifikatsorientiert handeln und nicht kompetenzorientiert. Der Beitrag brührt die wesentlichen Themen und beschreibt auch die Ungerechtigkeit, die sich dadurch für viele Menschen ergeben. Betrachtet werden hier die Lerner und die Menschen, die als Arbeitnehmer in der Arbeitswelt unterwegs sind. Im Umkehrschluss zu der Frage warum es für uns wichtiger ist zu sagen „Ich darf das“ (Zertifikat) als „Ich kann das“ (Kompetenz) müssen wir aber auch das Verhalten der Unternehmen in den Fokus nehmen. Denn auch hier orientiert man sich stark an den Zertifikaten, wenngleich man schon überlegt, warum das so ist. Hier gibt es Unterschiede in den Betriebsgrößen und dem jeweiligen Verhalten. Im Kern dürfte die Zertifikatorientierung einer „Ordnung“ in der Gesellschaft zugute kommen. Mit der zunehmenden insitutionalisierten Entindividualisierung einerseits und einer zunehmenden Individualisierung der Menschen andererseits stellt sich die Frage umso mehr, ob die Zertifikatorientierung noch zeitgemäß ist. Der Beitrag findet sich unter diesem Link.

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