Das Kapital ist die Beziehung zu den Menschen – auf ein gutes 2018

2017 neigt sich dem Ende und jetzt mache ich ein paar Tage frei. Unter anderem weil wir auf unsere Tochter warten, die für Ende Dezember das Licht der Welt erblicken soll.

Was gab es besonderes in diesem Jahr. Da fällt einem Arbeitskollegen nach Jahren auf, dass mein Kapital die „Beziehung zu den Menschen“ ist. Ich habe mich gefragt, was es sonst sein sollte in meiner Arbeit und darauf geachtet, was andere sagen. Ich habe sehr schöne Rückmeldungen erhalten. Jemand sagte, dass die Treffen der Betriebe in so angenehmer Atmosphäre in fast schon familiärem Rahmen stattfinden. Ein schönes Lob. Ich stelle immer wieder fest, dass es gar nicht der Inhalt ist, mit dem man in Gespräche kommt und Vertrauen aufbaut, sondern einfach die Begegnung und eine Wertschätzung den anderen Gegenüber.

Aber die schönste Rückmeldung war ein junger Student, der mir sagte, dass er nach dem Gespräch Mut fasste, wusste was er will und sich völlig neu sieht. Er sei viel selbstbewusster als vor dem Gespräch, welches 1,5 Stunden dauerte. Ich bin für diese Rückmeldungen sehr dankbar und möchte gleichzeitig anregen, dass alle diejenigen, die sich mit und in Bildungsfragen beschäftigen, hierauf den Fokus legen. Eigentlich reicht es, die Menschen machen zu lassen wozu sie in der Lage sind.

Schauen wir auf das was jeder kann und nicht auf das, was er können sollte.

Das ist ein großer Unterschied.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest und einen angenehmen Übergang in das neue Jahr 2018.

Ich bedanke mich bei allen Mitwirkenden von
www.netzwerk-surface.net
www.fachwerkmetall.de
www.mediationsverbund-deutschland.de
www.mensch-und-betrieb.de

Digitale Bildung – ein Spannungsfeld zwischen Menschenverachtung und Chance

Nach meiner Teilnahme am 2017er Mobile Learning Day der Fernuni Hagen möchte ich über Aspekte digitaler Bildung schreiben – intensiver als wir normalerweise diskutieren. Die Keynote hielt Prof. Dr. Christoph Igel vom Educational Technology Lab am Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz. Auf einmal stand nicht die Frage von Mobile Learning im Vordergrund, sondern Fragen von Macht, Herrschaft und auch Fluch und Segen digitaler Bildung. Es ging nicht um digitale Bildungsverfahren – also die Nutzung von digitaler Technik in der Bildung -, sondern um digitale Bildungssysteme. Auch die ganze Diskussion um das Schlagwort 4.0 strich der Professor mit einigen Sätze weg – denn 4.0 ist eher Marketingaspekt. Die digitalen Systeme an sich sind alt und es gibt sie schon lange. „Echtes“ 4.0 ist die Vernetzung untereinander (z.B. Internet der Dinge) – und selbst das ist noch nicht das, worüber wir nun sprechen.

Einer unter den zehn Top Punkten der Strategie des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWI) für die nächsten zehn Jahre ist die digitale Bildung. Es soll hierbei auch ein Kernproblem mit künstlicher Intelligenz (KI) angegangen werden. Nämlich die Interpretation von Daten. Weiterlesen ›

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Azubimangel im Handwerk – verblüffende Ähnlichkeit zwischen heute und 1938?

Nur einzelne Worte verraten den Ursprung des Textes. Es ist verblüffend, wie sich die Aussagen heute mit denen von früher ähneln.

“a) Quantitativer Lehrlingsmangel

Wie bei den Arbeitskräften, so sind wir auch bei den Lehrlingen vor die Probleme der Knappheit gestellt worden. Wir sind in das Jahrzehnt eingetreten, in dem sich der verschärfte Geburtenrückgang der Nachkriegszeit, dem erst nach der Machtergreifung Einhalt geboten wurde, in Gestalt Schwachbesetzter Nachwuchsjahrgänge auswirkt. Je weniger Nachwuchs aber vorhanden ist, desto stärker bemühen sich alle Kreise, ihn an sich zu ziehen. Vom Lehrlingsmangel wird nur ein Teil der Handwerksberufe nicht oder wenig betroffen: die Schlosser, Kraftfahrzeughandwerker, Mechaniker – also Berufe, die zu den technischen Neigungen der heutigen Jugend besonders passen. Fast alle anderen Berufe, auch die des Bauhandwerkes, klagen über Nachwuchsmangel. Besonders gilt das für kleine und darum wenig bekannte Handwerkszweige. In den Werkstätten des gestaltenden Handwerks- das gilt z.B. für die Buchbinderbetriebe und Webereien, stellen sich statt der Jungen immer mehr Mädchen als Lehrlingsnachwuchs ein. Weiterlesen ›

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Das Image von Berufen verbessern – geht das überhaupt?

Heute probiere ich (erstmals mit PowerPoint in WordPress) anhand eines plakativen Beispiels deutlich zu machen, dass man das Image von Berufen im Kern nicht verbessern kann. Das wird auch in Förderlinien gerne probiert und es werden teils große Anstrengungen unternommen, hier eine Verbesserung zu erzielen. Ich stelle mir dann immer einen Härter vor, der in der heißen Werkhalle unterwegs ist, um aus heißen Öfen rotglühende Metallteile zu heben um sie dann in Öl abzuschrecken. Es entstehen Dämpfe, es ist laut, kleine Feuer lodern an der Oberfläche. Teilweise sammelt sich der heiße Öldampf an den Wänden und läuft über die Fenster gen Boden. Licht tritt kaum noch in den Arbeitsraum ein, der von Neonröhren mehr schlecht als recht beleuchtet wird. Das zeigt man dann Weiterlesen ›

Passe ich in das Unternehmen? Ein Modell für einen Überblick

Dieser Beitrag ist ein weiterer Teil der kleinen Serie über die entwicklungspsychologische Betrachtung der Menschen, der Betriebe, der Beziehungen untereinander und der dazugehörigen Kommunikation. In diesem Teil findet sich eine Arbeitstabelle zu den Betrieben aus entwicklungspsychologischer Sicht. Leser und Leserinnen mögen bitte immer daran denken, dass dies Modelle sind. Man kann mit ihnen arbeiten und die Tabellen verschaffen einen Überblick.

Hier übertragen wir nun die vorliegenden Informationen und Beschreibungen auf die Betriebe und Unternehmen. Ich persönlich finde das sehr spannend, denn einfach durch die Form der Darstellung können bestimmte (Beziehungs) Zusammenhänge mit einem Blick klar machen, an welchen Stellen es bei der Zusammenarbeit haken kann. Wir erinnern uns an die Arbeitstabelle für den Menschen aus den vorangegangenen Teilen. Diese Tabelle ist gleich aufgebaut, jedoch um relevante betriebliche Informationen ergänzt. So zum Beispiel die Betriebsart, wer die Entscheidungen im Betrieb trifft und wie der Führungsstil aussieht. Ebenfalls sind beispielhaft Tätigkeiten angegeben sowie Tabus bzw. Paradigmenverletzungen angeführt. Schlussendlich notierte Schweizer in seinen Texten zu jeder Stufe noch ein passendes Sprichwort. Ich stelle mir vor, dass sich beim lesen das ein oder andere „Jo, so ist es“ einschleicht. Weiterlesen ›

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Die komplexe Einfachheit der Menschen in der geraden Kurve – „Digitalisierung“

Bei der Suche nach Lösungen für die Probleme, die wir als Menschen zu lösen haben, scheinen wir alle zu vergessen, dass es eine Konstante gibt. Es gibt etwas unverrückbares – niemals zu veränderndes. Der psychische Mensch kann sich anpassen und verändern – auf neue Bedingungen einstellen. Der physische Mensch kann das nicht. Niemals wird uns ein dritter Arm wachsen, ein weiteres Auge oder ein neues, modernes Gehirn. Hierin liegt unsere Begrenzung. Warum vergessen wir das? Sei es, wenn wir über Arbeit sprechen oder über unser allgemeines Leben? Wenn wir über Krankheit, Regeln oder Pflege sprechen. Ich habe den Eindruck, wir vergessen unsere physische Begrenztheit. Weiterlesen ›

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Das duale Berufsausbildungssystem muss eine Alternative werden

Die neue Expertise des Ländermonitors „Berufliche Bildung“ zur Entwicklung der Berufsausbildung in Klein- und Mittelbetrieben (KMU) spricht eine klare Sprache. Es wird sich etwas tun müssen. Das Papier von Meike Baas und Martin Baethge (Download) erläutert umfangreich den Stand der Dinge und die Abhängigkeiten von Beschäftigung und Ausbildung und fasst die Datenlagen anschaulich zusammen. Wie auch in diesem Blog versuchen die Autoren, den KMU Begriff zu differenzieren und die Ausbildungsbeteiligung zuzuordnen. Das gelingt sehr gut und zeigt erneut, dass die Klein- und Kleinstbetriebe den höchsten Anteil an Ausbildungsaktivität stemmen. Es wird nur nicht immer deutlich. Ein Betrieb mit 6 Mitarbeitern und einem Auszubildenden ist offiziell ein Ausbildungsbetrieb, ebenso wie einer mit 250 Mitarbeitern und einem Auszubildenden. Die Ressourcenfrage zur Abwicklung dualer Berufsausbildung bei aktueller Entwicklung braucht man praktisch nicht zu stellen.

Baethge und Baas beschreiben eine Entkopplung von Berufsausbildung und Beschäftigung. Der zunehmenden Beschäftigung in Deutschland steht eine Abnahme der dualen Berufsausbildung gegenüber. „Innerhalb der gegenläufigen Entwicklung von Beschäftigung und Ausbildung zeigen sich bei den Klein- und Mittelbetrieben dabei stark unterschiedliche Entwicklungen. Bei den Kleinbetrieben fiel der Rückgang der Ausbildungsquote mit rund 1,4 Prozentpunkten bzw. einem Fünftel besonders deutlich aus. Sie sank von rund 7,2 auf rund 5,8 %“ so der Bericht. Ebenso wird auf einen Zyklus hingewiesen, wonach in wirtschaftlich guten Zeiten gerne vergessen wird, für die schlechten vorzusorgen Ergo: wenn man zusätzlich ausbilden könnte, tut man es nicht. Der Zyklus ist aber auch anders zu betrachten als üblicherweise. Zum einen, weil den Nachfolgern nachgesagt wird, das Anforderungen des Systems nicht mehr erfüllen zu können und zum anderen, weil Überbedarf Ausbildung, zum Beispiel von großen Ausbildungswerkstätten (sofern noch vorhanden), so gut wie nicht mehr praktiziert wird. In der Fertigung würde man sagen, es sollte keine Pufferteile geben. Alles was genutzt wird, muss Verwendung finden – sonst kostet es nur Geld. Weiterlesen ›

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Welchen Wert hat ein digitaler Nachrichtendienst für Unternehmen? Ist das auf Berufsorientierungskontexte übertragbar?

Nachrichtendienst? NSA oder so? Ja, im Kern kann man das so sagen, nur das dabei alles legal vorgeht. Warum hat ein digitaler Nachrichtendienst einen so hohen Wert für ein Unternehmen? Und kann man diese Technologie auf Berufsorientierungskontexte übertragen? Jakob Fugger (1459-1525), ein Augsburger Unternehmer, erkannte den Wert eines Nachrichtendienstes als einer der ersten. Er verwendete viel Zeit und Geld, um neueste Informationen über andere Unternehmen, die da unter anderem seine Kunden oder seine Konkurrenten waren, zu erhalten. In Zeiten heutiger, globaler Vernetzung, in welcher eine Information oder Nachricht in Sekunden den Globus umrundet und praktisch unauslöschlich im Netz verbleibt, stellen wir immer wieder fest, dass diese Informationen nicht strukturiert für die eigenen betrieblichen Zwecke ausgewertet werden.

„Zu viele Daten, unsortiert, unübersichtlich, nicht zu überblicken“ sind Antworten, die wir in Gesprächen mit Betriebsinhabern erhalten. „Das kann ein Mensch gar nicht verarbeiten“ so das Resümee. Und es stimmt. Im Jahre 2005 wurden alleine über E-Mails 400.000 Terabyte Daten generiert. Eine Studie aus dem Jahre 2012 (Extracting Value from Chaos) erläutert, dass sich die Menge aller produzierten und gespeicherten Daten alle zwei Jahre verdoppelt. 1,8 Zetabyte entsprechen mehr als 200 Milliarden Filmen á 2 Stunden Lände in HD Qualität. Um sich diese anzuschauen bräuchte man 47 Millionen Jahre. Nun sind wir 5 Jahre weiter. Weiterlesen ›

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