Berufswahl und der Einfluss auf unser Lebensglück – 1836

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Geschrieben, 1836 zur Berufswahl. In wunderbaren Worten das Heute beschrieben… aus „Comptoir des Österreichischen Zuschauer, 1836, S.1207ff. Es finden sich alle Kontexte, die heute auch immer wieder Diskussionstoff liefern.

Häusliches_Glück_19Jh„Man wird reich durch eine glückliche Berufswahl.
Um zu erwerben, müssen wir einen Beruf, für welchen unsere körperlichen und geistigen Kräfte ganz geeignet sind, und zu dem uns unsere Neigung zieht, erwählt haben und an demselben mit fester Richtung aller unserer Kräfte halten. Unstreitig hat die Berufswahl den wichtigsten Einfluß auf unser Lebensglück, und sie ist um so schwieriger, da bei dem Uebertritte von dem Knaben- in das Jünglingsalter die Neigungen wechseln, und mancher Knabe, vom äußern Scheine und Flitter bethört, Vorliebe zu einem Stande zeigt, für welchen weder seine geistigen Anlagen noch körperlichen Kräfte taugen.
Nicht der Stand selbst, sondern unsere Tauglichkeit dafür, und die Art, wie wir die Berufspstichten in demselben erfüllen, entscheiden für den künftigen Erwerb. Kein Beruf ist so gering und so niedrig, in welchem man nicht zu Reichthum, und keiner so hoch und angesehen, in dem man nicht zur drückenden Armuth gelangen könnte. Alles hängt davon ab, mit welchen Kenntnissen, Tugenden und unermüdlichem Fleiße die Bahn angetreten und verfolgt worden ist. Man führt Lumpensammler und Auvergnaten an, welche aus der niedrigen Sphäre, in der sie Dienste verrichteten, zu einer solchen Höhe das Geldbesitzes stiegen, daß sie Häuser, reichen Grundbesitz erwarben, und Comptoirs errichteten; und Du selbst kanntest ja einen Mann, der, Handel mit Schlachtvieh treibend , sich so viel Vermögen erwarb, daß er sich zum Güterbesitzer emporschwang, und in dieser ungewohnten Sphäre wieder nm all das Seinige kam. Du hast von Fuhrleuten, welche in Dürftigkeit zu frachten begonnen haben, und mit Fleiß und Gewandtheit eine hohe Stufe des Reichthums erklimmten, gehört. Ich kann Dir einen Nadler, einen Messerschleifer, einen Schuhflicker, einen Eisentrödler nennen, welche Alle hohe Capitalien besitzen, und unter die reichsten Bürger der Monarchie gezählt werden. Doch wozu das Haschen nach Beispielen, da nur et, was aufmerksame Beobachtung des Steigen« und Fallens der Menschen Dich von,der Richtigkeit des Grundsatzes überzeugen kann, daß nicht der Beruf selbst, sondern die Weise, wie er erfüllt wird, uns zu bereichern vermöge.

Darum sind gründliche Kenntnisse und eine zweckmäßige Erziehung wohl mit allem Rechte die Pfeiler unseres Erwerbes zu nennen. Ohne diese, ohne jene umsichtige Fertigkeit, welche den Beruf leicht und angenehm macht, und die Erfüllung selbst seiner herben Pflichten zum Gegenstande der Erholung und der Freude umwandelt; ohne Liebe und Achtung für denselben wer den wir jeder Concurrenz unterliegen, und immer von Andern überholt werden. Es ist darum eine Hauptbedingung des Vermögenserwerbes, in dem gewählten Berufe, der Kenntnisse und Fertigkeit nach, der Erste oder mindestens Einer der Ersten zu sein.“

©2013 Achim Gilfert. Dieser Beitrag ist zur Weiterverbreitung nach den Regeln der Creative Commons: Keine kommerzielle Nutzung 3.0 Deutschland unter dem Link http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/ veröffentlicht. Jeder kann ohne Nachfrage diesen Text nach den creativecommons Regeln ohne Änderung verbreiten. Bitte setzen Sie jedoch immer einen Link auf die Ursprungsseite (Digital) oder verweisen durch einen Vermerk auf diesen Beitrag (Print). Bildnachweis: Wikimedia Commons – Bildveröffentlichung vor 1924.

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