Im Fokus der neuen NRW Regierung. Bildung & Berufsbildung – Realisierungscheck

In diesem Beitrag habe ich die Kerne des Koalitionsvertrages von CDU und FDP mit Blick auf den Fokus Bildung/Berufliche Bildung extrahiert und möchte diese mit einer Einschätzung zur Realisierungschance versehen. Die Punkte Inklusion und Flüchtlinge finden in diesem Beitrag wegen ihrer Besonderheiten keine Berücksichtigung. Meine Realisierungseinschätzung wird sich in 5 Jahren ja überprüfen lassen. Einige Punkte sind sehr komplex, weshalb diese zum besseren Verständnis in kleinere Abschnitte eingeteilt wurden.

Im Koalitionsvertrag ist zu lesen (kursiv):

„Berufliche und die akademische Bildung ist gleichwertig. Eine Ausbildung ist genau so viel wert wie ein Hochschulabschluss. Wir lehnen die unnötige Akademisierung von klassischen Ausbildungsberufen deshalb ab. Um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung umfassend zu berücksichtigen, sollen bei der Berufsinformation verbindlich nicht nur Studienfächer, sondern gleichwertig auch stets konkrete Ausbildungsgänge vorgeschlagen werden. Zur Stärkung dieses wichtigen und chancenreichen Bildungsbereichs bedarf es eines Pakts für berufliche Bildung von Bund und Ländern. Notwendig sind eine Vereinheitlichung der Anerkennung von Abschlüssen der beruflichen Bildung auf Studienleistungen und ein Konzept der höheren Berufsbildung. Hierbei sollen neue Bildungswege im Abschluss gleichwertig sein mit den beiden akademischen Qualifikationen Bachelor und Master. Zudem muss die Doppelqualifizierung mit Meister und Bachelor möglich sein“.  Weiterlesen ›

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Blicken wir zurück, bevor wir nach vorne schauen – Die Entwicklung der dualen Berufsausbildung

Nun werden wir mit der neuen Landesregierung in NRW auch eine etwas andere Blickrichtung auf die Aktivitäten im Bildungsbereich erhalten. Ich werde die relevanten Änderungen aus dem Koalitionsvertrag herausarbeiten und im nächsten Beitrag vorstellen. In jedem Fall werden nun viele Köpfe rauchen, wie man den Herausforderungen in Schule und Berufsbildung anders begegnen kann.

Ich bin der grundsätzlichen Meinung, dass alle, die sich mit der Zukunft beschäftigen, einen Blick zurück wagen sollten. Wir können so erkennen, wie die Problemlagen bei uns im Land aussahen, warum sie sich entwickelten und wie man diesen Schwierigkeiten mit welchem Ergebnis begegnete. Ab und an lässt sich erkennen, dass die heutige Situation keine neue ist.

Klicken Sie auf das Bild für die gesamte Darstellung

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87 % der Abschlussprüfungen dualer Berufsausbildung finden regulär statt

Ich habe einmal versucht, alle abgelegten Abschlussprüfungen in den dualen Ausbildungsberufen nach ihrer Art zu erfassen. Eine sehr schwierige Sache, da die Erhebungen – sofern vorhanden – von verschiedenen Institutionen veröffentlicht werden, wenn überhaupt. Zusätzlich ist die Dauer einzelner Ausbildungen zwischen 18 Monaten (Umschulung) bis hin zu 36 Monaten. Den Externenprüfungen geht gar keine Ausbildung voraus.  Das bedeutet, dass die Zahlen auch nicht in Bezug zur Ausbildungsquote oder anderen Zahlen zur Berufsausbildung zu setzen sind.

Ebenso ist es nur schwer möglich, einzelne Berufe herauszuholen. Das wäre sehr interessant, da sich die „Ersatzausbildungen“ wie BaE im wesentlichen auf „vermeintlich einfache“ Berufe stützen (Einzelhandel, Lager, Friseur u.a.) und damit ggf höhere Prüfungsquoten aufweisen als in Berufen, die in der Regel nur auf üblichem Wege zu absolvieren sind. Die Erfolgsquote beim Bestehen im ersten Versuch liegt bei 80 % im Schnitt.

Ich wäre sehr interessiert, das Diagramm zu verfeinern. Über Mithilfe würde ich mich sehr freuen. Weiterlesen ›

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Drei ungewöhnliche Ausbildungsmarktdaten

In diesem Beitrag möchte ich die Ausbildungsmarktdaten um drei Angaben ergänzen, die so gut wie nie eine Rolle spielen, aber für ein ganzheitliches Bild wichtig sind. Zwar wird fast die gesamte betriebliche Berufsorientierungslandschaft durch einen Anteil großer Betriebe bestimmt, jedoch werden fast die Hälfte (46 %) aller Azubis in Betrieben bis 50 Mitarbeiter ausgebildet – die durchaus andere Standards als die Vorhandenen benötigen – und denen das große R fehlt (Ressource) .

Ebenso muss in die Berechnung der Ausbildungsplatzangebotsquote die Angabe der überhaupt ausbildungsberechtigten Betriebe einfließen. Da 20 % gar nicht ausbilden dürfen, gibt es eine Angebotsquote von 32 % bei den Unternehmen, die es dürfen. Die Zahlen betreffend der Ausbildungsplatzangebote ist immer eine Angabe, die auf freiwilligen Meldungen der Betriebe fußt. Folgend finden sich die Grafiken.  Weiterlesen ›

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Seit über 25 Jahren keine Reduzierung der Ausbildungsabbrüche

Dieser Beitrag setzt sich mit Ausbildungsabbrüchen in der dualen Berufsausbildung auseinander. 2005 habe ich mit dem Netzwerk Mensch & Beruf versucht, über begleitete Ausbildung Abbrüche zu vermeiden. Heute ist dieser Ansatz gemeinhin als Assistierte Ausbildung bekannt. Zu der Recherche eines Projektes fielen mir nun wieder Zahlen von damals in die Hand. Zwanghaft stellt sich mir die Frage, ob in den letzten 25 Jahre absolut keine Maßnahme eine größere Wirkung zur Reduzierung der Abbruchquote erzielt hat. Die Antwort ist eindeutig.

Im Jahre 2003 beschreibt Winfried Kretschmer mit einem Rückblick die Abbruchsquoten auf dem Ausbildungsmarkt folgendermaßen:

„Ende der 70er Jahre lag der Anteil der „vorzeitig gelösten Ausbildungsverhältnisse“, so die offizielle Bezeichnung, noch bei rund zwölf Prozent. Dann stieg die Abbrecherquote drastisch an und erreichte am Beginn der 90er Jahre einen Höchststand von mehr als 25 Prozent. Im Handwerk ist der Anteil der Abbrecher auch besonders hoch; 31,4 Prozent der Auszubildenden warfen hier vorzeitig das Handtuch. Am niedrigsten liegt die Quote im öffentlichen Dienst, wo 1994 nur kurz die Zehn-Prozent-Marke überschritten wurde und sich der Wert seither bei etwa acht Prozent bewegt“ (vgl. changeX, 2003).

Das heißt, vor 25 Jahren lag die Abbrecherquote bei mehr als 25 %. Im Handwerk über 31 % und im öffentlichen Dienst mit einer kleinen Schwankung bei 8 %. Hier nun die letzte, zusammenhängende Erhebung.  Weiterlesen ›

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Zeitarbeit – wie sieht es aktuell aus? Und was leisten die Zeitarbeitnehmer wirklich?

Die Grafik zeigt anschaulich, wie die Zahl der Zeitarbeiter in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Es sind mittlerweile über eine Million Menschen, die in Leiharbeit beschäftigt sind (Bei Klick auf die Grafik öffnet sich das Diagramm in einem neuen Fenster). Dabei ist jedoch auch eine Änderung der Statistischen Angaben im Jahre 2013 zu berücksichtigen. Dennoch – noch nie war der Anteil an Zeitarbeit so hoch. Die letzten Reformen sollten allesamt dafür sorgen, das Zeitarbeit nicht weiter steigt beziehungsweise dort, wo sie eingesetzt wird darauf zu achten, dass die betroffenen Arbeitskräfte gleiches Geld und gleiche Behandlung in der Beschäftigung erfahren. Der jährliche Bericht zur Entwicklung der Zeitarbeit der Bundesagentur für Arbeit benennt in der 2017er Ausgabe deutliche Mängel. Am Ende des Beitrages findet sich der Link zum Download. Im thematischen Rahmen des Blogs möchte ich ein paar wichtige Anmerkungen und Daten herausgreifen, da sie auch die Menschen in beiden Schwellenübertritten betreffen können. „Leiharbeitnehmer sind überwiegend jung. Während ein Drittel aller Beschäftigten jünger als 35 Jahre ist, findet sich fast die Hälfte der Zeitarbeitnehmer in dieser Altersgruppe wieder […] Dies zeigt, dass Zeitarbeit auch eine Rolle beim Einstieg junger Arbeitnehmer in das Berufsleben spielt.“ lesen wir auf Seite 12 des Berichts. Den Angaben zufolge wurden im ersten Halbjahr 2016 68 Prozent aller Zeitarbeitsverträge mit Menschen geschlossen, die unmittelbar vorher keine Beschäftigung ausübten beziehungsweise noch nie sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Das sind 465.000 Personen. Weiterlesen ›

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Zeitarbeit – Was ist das, wie funktioniert sie und welche Konsequenzen sind möglich.

Eine kuriose Sache. Bei einer Auswertung ergab sich, das der Artikel mit den meisten Aufrufen, der über Zeitarbeit war. Aus vielen Beratungsgesprächen kenne ich die Angst vor Zeitarbeit und deren Folgen. Daher habe ich mich entschlossen, den ursprünglichen Artikel mit der mittlerweile sechsten Reform der Zeitarbeit (zum 1.4.2017) zu aktualisieren und zu überarbeiten. Hier soll es darum gehen, das System zu erläutern. In einem anderen Beitrag wird die Entwicklung der Zeitarbeit in Deutschland beschrieben und mit jeweils aktuellen Zahlen versehen.

Es sieht erst einmal so aus, dass “Zeitarbeit” nichts mit Übergängen zu tun hat. Das ist ein Thema für die “Arbeitenden bzw. Arbeitslosen” wird häufig gesagt. Da hat der junge Mensch nichts mit zu tun. Dem ist leider nicht so. Zeitarbeit kann die Konsequenz von „Nichtausbildung“ sein und ihrerseits wieder erhebliche Konsequenzen für das Berufsleben und die Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Lebenswelt haben. Über Zeitarbeit wird viel diskutiert und viel geschrieben. An dieser Stelle soll die Funktion „Zeitarbeit“ beschrieben werden, warum sie vorhanden ist und welche Konsequenzen aus Zeitarbeit resultieren können. Weiterlesen ›

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Berufsorientierung an Hauptschulen durch Führungskräfte einer Zeitarbeitsfirma (Archiv)

Aufgrund der Aktualisierung der Beiträge zur Zeitarbeit habe ich diesen Abschnitt aus dem ursprünglichen Beitrag hierhin verschoben. Das Projekt gibt es immer noch, jedoch verlagerte sich der Schwerpunkt in Richtung Ausbildung. Zwangsläufig möchte man sagen. Daher findet sich hier der ursprüngliche Beitrag, versehen aber mit den Links zu den aktuellen Projektseiten von Randstad. Es geht um das Thema Berufsorientierung als (mögliches) Marketinginstrument und die Werbung um die Zeitarbeitskräfte der Zukunft. Alle hier dargestellten Informationen über die Zeitarbeitsfirma Randstad und ihrer Programme, sind den Internetseiten von Randstad Zeitarbeit „Du bist ein Talent“ (Letzter Aufruf 02.05.2017)sowie der Stiftungsseite der Randstad Stiftung entnommen (Letzter Aufruf 07.02.2013). Das Ziel des Randstad Programms “Du bist ein Talent – ein Patenschaftsprogramm mit Hauptschülern” ist gewaltig. „Jeden“ Hauptschüler zu einem qualifizierten Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss zu bringen. Besonders die Zielgruppe mit Migrationshintergrund wird besonders beachtet. Hintergrund ist laut Randstad, dass der nationale Bildungsbericht 2008 erläutert, das 4 von 10 Schülern mit und ohne Hauptschulabschluss innerhalb von 2 Jahren keinen Ausbildungsplatz bekommen haben. Beworben wird das Programm von der Randstad Stiftung, wie auch von Randstad Deutschland.

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