Zustimmungsquoten zu Thesen der Ausbildungsreife

In diesem Beitrag geht es um die Bedeutung der Ausbildungsreife nach einer Auswertung des BiBB Expertenmonitiors im Jahre 2005 zur Ausbildungsreife. Eine neuere Befragung liegt zurzeit leider nicht vor. Ich möchte mich in diesem Beitrag mit Zustimmungsquoten zu grundsätzlichen Thesen zum Thema der Ausbildungsreife beschäftigen. Zu diesem Zweck schlage ich zum thematischen Zugang die Beiträge unter dem Schlagwort „Ausbildungsreife“. Die Beiträge stehen der Ausbildungsreifediskussion auch kritisch entgegen.

Der Expertenmonitor befragte 482 Experten zu verschiedenen Thesen. Die befragten Experten müssen in der beruflichen Bildung arbeiten und Ihre institutionelle Herkunft zeigt, dass es sich bei den Ergebnissen um ein allgemeines Bild verschiedener Interessensgruppen handelt. Wie sonst auch, wurden die Jugendlichen (mangels Expertenstatus) wiederum nicht befragt. Zu einigen Thesen wären Antworten der Jugendlichen zum Thema interessant. So könnten in Zukunft z.B. Jugendvertreter in der Ausbildung hinzugezogen werden. Diese haben Bewerbungsprozesse bereits hinter sich und kennen die Schwierigkeiten in Teilen ebenso. Zu den Institutionen, in welchen die Experten tätig sind, gehören der Lernort Betrieb, der Lernort Schule, die Lernorte überbetrieblicher Schulungsstätten, Wirtschaftsvertreter, Gewerkschaften, Forschung und Hochschulen, Staatliche Bildungsverwaltung sowie Berufsverbände. Die in der Befragung aufgestellten Thesen nebst deren Zustimmungsquoten in Prozent werden im Folgenden aufgeführt.

  • Ein Lehrstellenbewerber sollte nur dann als “ausbildungsreif” bezeichnet werden, wenn er genau die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens erfüllt. Nur 5 Prozent aller Experten stimmen dieser These zu. Die höchste Zustimmungsquote lag bei den Berufsverbänden mit 11 Prozent.
  • Die hohe Anzahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz ist auf deren geringe Ausbildungsreife zurückzuführen. 26 Prozent stimmen dieser These zu. Die höchste Zustimmungsquote zu dieser These haben die Experten der Wirtschaftsvertreter mit 52 Prozent. Die Gewerkschaften stimmen hier nur zu 5 Prozent zu.
  • Berufsvorbereitende Maßnahmen führen zu einer Stigmatisierung der Jugendlichen. Insgesamt 29 Prozent der Experten stimmen hier zu, wobei die Gewerkschaften mit 54 Prozent zustimmen. Es folgt die die Staatliche Bildungsverwaltung mit 49 und die Forschung mit 33 Prozent.
  • Die Ansprüche der Unternehmen sind nur deshalb so hoch, weil es mehr Lehrstellenbewerber als freie Lehrstellen gibt. 35 Prozent der Experten stimmen dieser These zu. Die Gewerkschaften liegen hier bei einer Zustimmungsquote von 83 Prozent.
  • Das Problem der mangelnden Ausbildungsreife wird übertrieben dargestellt. Diese These erhält eine Zustimmungsquote von 41 Prozent. Wie erwartet gibt es eine große Differenz in der Zustimmung bei Gewerkschaften und Wirtschaftsvertretern. Gewerkschaften stimmen zu 81 Prozent zu, während Wirtschaftsvertreter nur mit 10 Prozent zustimmen. Die Betriebe allerdings stimmen im Gegensatz dazu mit 31 Prozent zu.
  • Die Abbruchquoten in Ausbildungen sind vor allem das Ergebnis einer mangelnden Ausbildungsreife. Recht gleichmäßig verteilt stimmen im Schnitt 47 Prozent der Experten zu.
  • Mit den Klagen über mangelnde Ausbildungsreife wird von der schwierigen Lehrstellensituation abgelenkt. Auch dieser These stimmen im Schnitt 47 Prozent der Experten zu, wenn auch hier die Gewerkschaften mit 98 Prozent vorne liegen und den Wirtschaftsvertretern die Schuld zuweisen, hingegen diese jedoch mit 11 Prozent Zustimmung die Schuld wieder von sich weisen. Es ist erstaunlich, dass die Betriebe erneut mit 35 Prozent deutlich mehr Zustimmung geben, als die Wirtschaftsvertreter. Die Forschung stimmt dieser These mit 67 Prozent zu.
  • Viele Jugendliche werden zu Unrecht als “nicht ausbildungsreif” stigmatisiert. Die durchschnittliche Zustimmungsquote zu dieser These liegt recht gleichmäßig bei 49 Prozent. Wobei die Zustimmung zwischen Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaften erneut um 56 Prozent auseinander liegen. Die Betriebe stimmen auch hier  deutlich mehr als ihre Wirtschaftsvertreter zu.
  • Die Klagen über eine zu geringe Ausbildungsreife treten vermehrt auf, wenn es zu wenige Lehrstellen gibt. Zwar stimmen dieser These rund 60 Prozent der Experten zu, jedoch ist die Spannbreite der Zustimmung recht groß. So stimmen die Wirtschaftsvertreter mit 31 Prozent am wenigsten zu, die Gewerkschaften, die Forschung und die Staatliche Bildungsverwaltung jedoch mit einer Quote von 77 – 93 Prozent.
  • “Erreichter Schulabschluss” und “Ausbildungsreife” sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Dieser These wird mit 67 Prozent der Experten recht gleichmäßig zugestimmt. Zwischen 50 und 81 Prozent liegt die Spannbreite der Zustimmungsquote. Es herrscht überwiegende Einigkeit dazu.
  • Auch jemand mit schlechten Noten kann ausbildungsreif sein. Eine klare Zustimmung aller befragten Experten. Im Schnitt 85 Prozent stimmen dieser These zu. Gewerkschaften, Forschung und Staatliche Bildungsverwaltung stimmen sogar mit 93 – 95 Prozent zu.
  • Sogar vorhandene Ausbildungsreife ist heute keine Garantie mehr für einen Ausbildungsplatz. Dieser, aus meiner Sicht, sehr bedeutenden These stimmen 87 Prozent der Experten zu. Höchste Zustimmung erfährt die These durch die Gewerkschaften (98 Prozent), gefolgt von den Hochschulen und der Forschung (95 Prozent), dem Lernort Schule (93 Prozent) sowie der staatlichen Bildungsverwaltung und den Überbetrieblichen Schulungsstätten (92 Prozent). Selbst die Betriebe stimmten mit 84 Prozent zu und liegen damit wieder bei 20 Prozent mehr Zustimmung als die Wirtschaftsvertreter. Dieser Unterschied zieht sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse der Befragung.

Das gesamte Ergebnis des Expertenmonitors zur Ausbildungsreife findet sich hier.

©2013 Achim Gilfert. Dieser Beitrag ist zur Weiterverbreitung nach den Regeln der Creative Commons: Keine kommerzielle Nutzung 3.0 Deutschland unter dem Link http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/ veröffentlicht. Jeder kann ohne Nachfrage diesen Text nach den creativecommons Regeln ohne Änderung verbreiten. Bitte setzen Sie jedoch immer einen Link auf die Ursprungsseite (Digital) oder verweisen durch einen Vermerk auf diesen Beitrag (Print).

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